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vorheriges Themanächstes Thema Thema: Freund ist ständig unzufrieden und trinkt, eröffnet am 10.1.2012, um 1.09 Uhr
traurig Lilith
User
am 10.1.2012,
um 1.09 Uhr
Hallo liebe Leute,

ich wohne seit einiger Zeit mit meinem Freund zusammen.
Ich studiere und arbeite nebenbei Teilzeit (ja, ich habe es letztendlich geschafft, falls noch jemand meine alten Threads aus 2009 kennt), bin fast mit meinem Bachelor fertig. Er arbeitet Vollzeit.

Mein Problem ist, dass er ständig unzufrieden ist. Wenn ich ihn frage, was ihn stört, dann kann er es mir nicht so genau sagen. Mir scheint es so, als wäre er generell mit seinem Leben unzufrieden. Dabei gibt es meiner Ansicht nach nichts zum unzufrieden sein. Er hat doch alles! Er hat einen guten Job und verdient nicht so schlecht. Sein Job macht ihm auch Spaß und er ist gut darin - erst kürzlich hat er eine Prüfung geschafft und bekommt jetzt mehr Gehalt dadurch. Er hat eine schöne Wohnung gemeinsam mit mir und er hat mich, die ihn liebt. Seine Eltern lieben ihn auch, sie wohnen halt nicht in Österreich, deshalb sieht er sie nicht so oft, aber er kann jederzeit anrufen, sie freuen sich immer total darüber.

Ich merke, dass er irgendwie unzufrieden/unglücklich ist und leider äußert sich das auch darin, dass er trinkt. Ich arbeite bedingt durch das Studium häufig am Abend und komme dann erst gegen Mitternacht nach Hause. Da finde ich ihn dann sturzbetrunken schlafend vor dem Computer. Oft kriege ich ihn nichtmal wach, damit er wenigstens ins Bett geht. Ich arbeite derzeit an 2-3 Tagen/Woche und es ist jedes Mal dasselbe. Bin ich zu Hause, trinkt er nicht (da traut er sich vermutlich nicht, weil er weiß, dass das Ärger bedeutet). Weil dass mir das nicht passt, weiß er, immerhin habe ich ihm das schon oft genug gesagt.

Ich habe schon oft versucht, mit ihm darüber zu reden, aber er redet einfach nicht. Bzw. habe ich den Eindruck, dass er selbst nicht weiß, was eigentlich los ist. Manchmal sagt er, in belastet, dass wir so wenig Geld haben. Dabei haben wir nicht wenig Geld! Wir haben insgesamt netto 2100 EUR zur Verfügung - das ist nicht wenig! OK - wir zahlen 600 EUR Miete und nochmals etwa 160 EUR Strom und Gas, dann noch Internet, Handy, Lebensmittel, Versicherungen, Fahrkahrten etc - aber wir haben kein Auto. Ja, wir können vielleicht nicht oft auf Urlaub fahren und wir kaufen uns nicht jeden Monat Kleidung und haben nicht das neueste Technikspielzeug, aber das ist doch bitte alles nur Luxus, den man nicht unbedingt braucht.

Ich habe das Gefühl, dass da mehr dahinter steckt. Aber wie finde ich das raus? Wie kann ich ihm helfen? Er will ja leider auch keinen Psychologen bzw. keine Beratungsstelle konsultieren (das habe ich ihm auch schon vorgeschlagen).

Ich verstehe ihn einfach nicht und es belastet auch unsere Beziehung. Denn ich bin langsam wirklich schon genervt, wenn ich nach Hause komme und ihn wieder betrunken vorfinde. Oder er den ganzen Tag mit einem grantigen Gesicht herumsitzt und nur einsilbige Antworten gibt. Ich will, dass er glücklich ist. Abgesehen davon mache ich mir Sorgen, dass er irgendwann zum Alkoholiker wird, wenn er so weitermacht.

Habt ihr irgendwelche Ideen?

LG
Lilith
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neutral Birgit
wienXtra-jugendinfo
am 10.1.2012,
um 17.32 Uhr
Liebe Lilith,
es freut mich sehr, dass du es geschafft hast, dein Studium mit einem Job zu vereinen. Auch sonst scheinst du einige deiner Ziele erreicht zu haben. Schön, dass sich deine Mühen gelohnt haben.

Jetzt scheint es wieder mal nicht so rund zu laufen. Du fragst dich, wie du heraus findest was deinen Freund bedrückt, warum er nicht redet, wie du ihm helfen kannst. Du schreibst auch, dass er sich an keine Beratungsstelle wenden möchte.

Mein Tipp an dich – wende du dich an eine Beratungsstelle und lass dich unterstützen. Ich kann nicht einschätzen warum dein Freund trinkt, ob eine Sucht vorliegt, ob er einfach wieder mit dem Trinken aufhören könnte usw.

Wahrscheinlich denkst du, dass er doch ein Problem hat und warum du dich beraten lassen sollst. Aber gerade „sorgende“ Angehörige sind gefährdet. Die Beziehungsdynamik kann dazu führen, dass man in eine Co-Abhängigkeit rutscht:
Angehörige

Suchtberatungsstellen findest du im oben genannten Link. Ansonsten wäre auch die Frauenberatungsstelle Frauen beraten Frauen eine Möglichkeit. Diese Stelle bietet auch Online-Beratung an.

Ich wünsche dir/euch alles Gute!
birgit
rat&hilfe-team

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wienXtra-jugendinfo
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neutral Eselgrapscher
User
am 11.1.2012,
um 20.53 Uhr
Laienhafte Idee, drum keine Ahnung ob sie eine gute/verfolgenswerte ist: VIelleicht lasst er sich ueber den Umweg einer Beziehungsberatung zu professioneller Hilfe locken? Also z.B. das Institut fuer Paar- und Familientherapie (http://www.wien.gv.at/menschen/magelf/kinder/institut.html).

- eg
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neutral Lilith
User
am 13.1.2012,
um 0.53 Uhr
Liebe Birgit,

danke für den Tipp, ich wusste gar nicht, dass es auch Beratung für Angehörige gibt. Die werde ich gerne in Anspruch nehmen.

Lieber Eselgrapscher (witziger Nickname übrigens ),

das habe ich auch schon versucht, er ist leider der Meinung, dass in unserer Beziehung eh alles passt und er im übrigen auch überhaupt kein Problem hat und ich nur überreagiere . Er ist einfach für überhaupt keine Art des Gesprächs oder der Beratung zugänglich. Er redet weder mit mir über irgendwas, noch mit Freunden oder sonst jemandem, sondern frisst alles in sich hinein. So war er immer schon. Und jetzt spült er es anscheinend runter, weil reinfressen vielleicht nicht mehr geht. Aber was das sein könnte, das ihn quält - keine Ahnung. Er will ja selbst nicht mal wahrhaben, dass da was ist. Vielleicht weiß er es selbst nicht, vielleicht verdrängt er es, ich weiß es nicht.

Ich habe erst kürzlich im Arbeitszimmer einen Haufen zerknüllte Bierdosen gefunden, die er im Werkzeugkoffer, in einem Schrank und diversen Schubladen versteckt hatte. Das macht mich nun noch besorgter, denn dass er heimlich trinkt und seinen Alkoholkonsum auch noch zu verstecken versucht, lässt bei mir alle Alarmglocken schrillen .

Noch scheint es mir zwar nicht so, als wäre er körperlich abhängig vom Alkohol, aber ich habe schon den Eindruck, dass er das Trinken als "Krücke" benützt, weil irgendwas in ihm nagt oder nicht passt. Denn warum sollte er denn sonst trinken? Irgendwie ist es jedesmal das Gleiche mit ihm, wenn er Alkohol in die Finger bekommt - ein Glas ist nie genug. Er muss immer so lange trinken, bis er betrunken ist oder überhaupt bis er einschläft. Einfach nur Wein oder Bier genießen, das kann er nicht. Auch nicht, wenn wir mit anderen zusammen sind und irgendwas feiern. Mir ist das immer furchtbar peinlich, wenn er dann betrunken ist. Nicht, dass ich nicht auch schon mal betrunken gewesen wäre, aber das kommt sehr, sehr selten vor und ich kann das auch irgendwie steuern, ob ich es zulasse oder nicht. Er kann das anscheinend nicht, es gibt nur ganz oder gar nicht, und das ist genau das, was mir Sorgen bereitet.
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neutral Eselgrapscher
User
am 16.1.2012,
um 20.08 Uhr
Ohne sich selbst doch zumindest ein bissl problematisches Verhalten einzugestehen wird wenig gehen.

Bloed dabei, aus meiner eigenen Erfahrung (als der, der sich problematisch verhaelt..): Je mehr ich darauf - wohlwollend, gar nicht vorwurfsvoll - hingewiesen, angesprochen wurde, desto eher hab ich abgeblockt.

Hoffentlich koennen Dir - oder im weiteren dann auch Euch - die von der Birgit genannten Stellen mehr helfen.

Alles Gute,
- eg, der gern esel begrapscht.
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neutral Odanrot
User
am 21.1.2012,
um 16.09 Uhr
als jemand, der selber einen etwas problematischen alkoholkonsum hat (ohne allerdings im abhängigkeitsstadium zu sein): drauf angesprochen werden führt im ersten moment meist direkt zu abblockungsreaktionen, da kann ich eselgrapscher nur rechtgeben. ABER: man setzt sich (soweit man halbwegs bei vernunft ist) sehr wohl mit den reaktionen der umgebung auseinander. man kann der anderen person gegenüber im direkten gespräch alles abstreiten, aber ihr im eigenen kopf dennoch recht geben.

es kommt natürlich auch auf die konkreten situationen des trinkens an. wenn er z.b. nicht in deiner anwesenheit trinkt, könnte es natürlich sein, daß er es sich nicht traut. aber es könnte eventuell auch sein, daß er es nicht tut, weil er sich im zusammensein mit dir (im unterschied zu situationen, wo er allein ist) wohl fühlt und deshalb keinen alkohol braucht.
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